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Beitrag vom 30.06.13bild3

Hallo Netzwerker,

Anwohner und Einzelhändler müssen gemeinsam handeln Einkaufscenter sind nach der Meinung vieler Politiker immer noch Mittel zur Revitalisierung der Städte. Für die Anwohner und den Einzelhandel hat das oft dramatische Auswirkungen. Am Anfang klingt alles immer schön. Die Stadt werde gestärkt. Alle, wirklich alle Anwohner und der vorhandene Einzelhandel sollen profitieren. Ganz nebenbei erhält das Stadtbild einen modernen Anstrich. Und keiner muss auch nur einen Cent dazu bezahlen, weder die Stadtväter, noch die Anwohner und Einzelhändler. So in etwa lauten die Versprechungen wenn einer der großen Center-Betreiber vor den Toren der Stadt steht und herein gelassen werden will. Dann einige Jahre nach der Ansiedlung des Centers wird die Lage für Anwohner und Einzelhändler zunehmend dramatisch. Es findet eine Absaugung von Kaufkraft aus den bisherigen Einkaufslagen statt.

Auszüge aus einem Gespräch mit Center-Kritiker Holger Pump-Uhlmann

Center-Betreiber beteuern immer wieder, ihre Center so in die Innenstädte zu integrieren, dass der gesamte Einzelhandel davon profitiert. Ist das realistisch umsetzbar?

Die Center-Entwickler haben ein Geschäftsmodell das sie allen Kommunen anbieten. Ihre Strategie ist es, auf den interkommunalen Wettbewerb hinzuweisen, in den Städten Ängste zu erzeugen und die Kommunen zu überreden, sich an dem Wettrüsten mit Einkaufscentern zu beteiligen, weil dies die Kunden nun einmal verlangen. Dadurch würde die Attraktivität der Städte gewinnen und an Einzelhandelszentralität hinzugewonnen. Fatalerweise glauben viele Kommunalpolitiker das. Wie Frau Walther von der Hafen City Universität Hamburg in ihrer DFG-Studie zeigen konnte, ist der Zugewinn an Einzelhandelszentralität marginal. Während eine kluge Centerentwicklung sich rechnet gehört das Gros des vorhandenen innerstädtischen Einzelhandels zu den Verlierern. Durch die Centerentwicklung findet eine innerstädtische Umstrukturierung des Einzelhandels statt. Von einer gelungenen Integration kann selten gesprochen werden.

Welche Wirkung erzielt ein großes innerstädtisches Einkaufscenter, insbesondere im Bezug auf Einzelhandelslagen, die nicht in unmittelbarer Nähe des Centers liegen?

Wie ich mit meinen Kollegen in der sogenannten „Difu-Studie” nachweisen konnte, haben Kernrandlagen die schädlichsten Auswirkungen, sind aber nach wie vor am beliebtesten. Hier gibt es häufig kostengünstige größere Brachflächen, die verkehrstechnisch gut zu erreichen sind. Es profitieren immer nur die Bereiche, die unmittelbar in Centernähe liegen. Je weiter ein Geschäft vom Center entfernt ist , desto stärker ist in aller Regel dessen Abwertung. In unserer Studie haben wir Leerstände, Passantenfrequenz, Geschäftszahl, Filialisierungsgrad, Verkaufsfläche des Centers, Zentralität, Kaufkraft und Umsatzkenziffern drei bis vier Jahre vor und nach dem Center erfasst. Daraus konnten wir präzise Aussagen zur Entwicklung der Innenstädte treffen. Die Erfahrungen zeigen ganz klar, dass die in der Regel überdimensionären Center-Ansiedlungen in den wenigsten Fällen tatsächlich zur Stärkung der Innenstadt beitragen. Dieses hehre Ziel widerspricht der eigentlichen Intention der Center-Betreiber, die den Umsatz in ihr Objekt verlagern wollen und, das liegt in der Natur der Sache, kein Verantwortungsbewußsein für den Rest der Innenstadt besitzen.

Zur Person: Dr. Holger Pump-Uhlmann, Architekt, Architekturhistoriker, Stadtplaner und Publizist, gilt als profilierter Kritiker von Center Ansiedlungen. Autor Carsten T.

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